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Buchtipps - Persönliche Empfehlungen

Südtirol, 40er Jahre, ein idyllisches Dorf am Reschensee. Hitler und Mussolini haben vereinbart: die deutschsprachigen Bewohner können entweder ins deutsche Reich auswandern oder als Bürger 2. Klasse in Italien bleiben. Trina will bleiben. Ein Riss geht durch die Familien, Freundschaften zerbrechen. Noch schlimmer: Nach dem Krieg soll ein Staudamm gebaut, die Bewohner umgesiedelt, das Dorf geflutet werden. Aufgeben oder Widerstand? Wie geht Trina mit ihrem Schicksal um? Mit viel Empathie erzählt Balzano von großem Leid und Verlust von Heimat und Identität.

2010 zieht Benjamin als Privatier aufs Land. Nichte Sophie, Akademikerin und im Multikulti zu Hause, heiratet nach Birmingham,

Dieses schmale Buch hat mich absolut bezaubert. Zwölf internationale Flüge, zwölf Geschichten von Menschen in besonderen Lebenslagen verbinden sich zu einem Ganzen, zu einer Reise rund um den Erdball. Menschen treffen Menschen, aus einer flüchtigen Begegnung, einer Nebenfigur wird in der nächsten Geschichte, nach dem nächsten Flug eine Protagonistenrolle, und wir erleben Sorge und Trauer, Armut, Gewalt und Diskriminierung, aber auch Glück, späte Einsicht und tröstliches Es-geht-immer-weiter.

Die Tochter von Rami, dem Israeli, starb bei einem Selbstmordanschlag, die vom Palästinenser Bassam durch die Kugel eines israelischen Grenzsoldaten. Schmerz und Verzweiflung lassen die Väter zu Freunden und Friedensaktivisten werden. Statt Rache suchen sie Verständnis und Versöhnung. Sind nicht die (vermeintlichen) Gegner auch Opfer? Wie kann der Mensch Frieden finden, mit sich und anderen? Überaus kunstvoll ist die Form des Romans. Fragmentarisch, wie Schlaglichter, fügen sich die kurzen Kapitel zu einer grandiosen Collage.

Künstler KD Pratz hat sich zurückgezogen und im Privaten eingeigelt. Der rührige Kunstverein „Wendevogel“ möchte seine Pratz-Ausstellung erweitern und organisiert eine Sternfahrt zum Künstler, um Sponsoren und die Politik ins Boot zu holen. Das Unternehmen endet in einem Desaster, das dann wiederum zu ungeahnten Höhen führt. Kristof Magnusson hat eine köstliche (Real-)Satire auf den Kunstbetrieb und seine Protagonisten geschrieben, ich habe mich blendend amüsiert! Ulla Fauser

Es gibt sie überall in Europa, die Wunderkammern, Sammlungen und Kuriositätenkabinette der Reichen und Landesfürsten, die schon seit der Renaissance angelegt wurden. Kostbare Stücke aus Kunst und Wissenschaft, Natur und Handwerk wurden überall aus der Welt mitgebracht und ausgestellt. Dieser überbordend prachtvolle Bildband öffnet die Kabinette und Schatullen und zeigt Edles und Schräges, Kitsch, Kunst und Kuriosa, Bizarres und Zauberhaftes in unglaublicher Fülle. Mit kompetenter Einführung in drei Sprachen. Ein Augenschmaus – ach was, ein Hammer!

Simone de Beauvoir, Hannah Arendt, Simone Weil und Ayn Rand. In dunkelsten Zeiten entwickelten die einflussreichsten Philosophinnen des 20. Jh. ihre visionären Ideen. Eilenberger erzählt von ihren Lebenswegen als Geflüchtete, Widerstandskämpferin, Aktivistin in Berlin, Paris und New York. Vor allem bringt er uns ihr Denken nahe, ihre großen Themen: das Verhältnis von „Ich“ und „Wir“, Mann und Frau, Gott und Mensch, Freiheit und Totalitarismus – alle bis heute von großer Aktualität. Die Frauen gestalteten ihr Leben als „gelebte Philosophie“, sie lebten selbstbestimmt und frei.

Christopher McDougall rettet ein stark vernachlässigtes Eselchen, das er wieder aufpäppelt. Esel sind schlaue Wesen, die eine Lebensaufgabe brauchen. McDougall und sein Esel nehmen zusammen an einem Hindernislauf über Berg und Tal teil, der zeigt, wie viel Gemeinschaft Mensch und Tier brauchen, um glücklich zu sein. Dieser vielschichtige Erfahrungsbericht hat mir wieder einmal deutlich gemacht, dass wir Menschen ohne die Natur einfach – nichts sind. Ulla Fauser

Ein sensationeller Fund: Ferdinand war ein Bruder von Jacob und Wilhelm Grimm, Sagen-Sammler wie sie, aber vergessen und von der Familie ins Abseits geschoben. Unglück, Krankheit, Geldsorgen quälten Ferdinand, dessen Sagen und Märchen denen seiner berühmten Brüder in nichts nachstehen. Herrlich amüsiert hat mich auch die spitzzüngige Satire auf seine Familie, „Tante Henriette“, die fast platzt vor Witz und Fabulierfreude. Biographische Notizen ergänzen die Sammlung und erlauben überraschende Einblicke in die Grimmsche Familiendynamik.

An 1989, das Jahr des Mauerfalls, erinnern wir uns alle. Aber 1990? Das Jahr der wirklichen Umbrüche, die das Leben der Menschen in der Ex-DDR auf den Kopf stellten? Es war das Jahr des Sturms auf die Stasi-­Zentrale, der Treuhand, der Wiedervereinigung. Diese Dokumentation ist ein Schlüssel zum Verständnis der Befindlichkeiten in den neuen Ländern. Als Collage gestaltet: Sachtexte, Geschichten, unzählige Fotos und Originaldokumente bringen die Umbruchstimmung 1990 unmittelbar rüber. Eine Fundgrube für mich und für alle, die die neuere deutsche Geschichte verstehen wollen.